Auf einem Stapel ähnlicher Blöcke auf einem Baustofflager im Freien liegt ein Beton-Hohlblockstein, im Hintergrund sind weitere Blöcke und Bäume zu sehen.

CO₂-negative Füllsteine für zukunftssichere Renovierungsböden

Wie lässt sich ein jahrhundertealtes Bauprinzip an die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anpassen? Laut Masterbloc und Prefer liegt die Antwort nicht in einer neuen Baumethode, sondern in einer neuen Produktionstechnologie für die Elemente. Durch den Ersatz traditioneller Füllsteine durch Carbstone-Elemente wird eine klassische Renovierungsdecke aus Balken und Füllsteinen (auch bekannt als Träger und Hohlkörper) plötzlich zu einem leistungsstarken Instrument für zirkuläres und klimafreundliches Bauen.

Carbstone-Produkte zeichnen sich durch eine radikal andere Zusammensetzung aus: Sie sind zementfrei und werden aus Reststoffen der Stahlindustrie sowie biogenem CO₂ hergestellt. Die Carbstone-Technologie nutzt eine chemische Reaktion namens Karbonatisierung – ein Prozess, bei dem CO₂ in fester Form mit Reststoffen kombiniert wird, um hochfeste Elemente zu erzeugen. Das CO₂ wird anschließend dauerhaft in diesen Elementen gebunden, die mehr CO₂ aufnehmen, als während der Produktion ausgestoßen wird. Und die Speicherung endet dort nicht: Carbstone-Produkte absorbieren während ihres gesamten Lebenszyklus weiterhin CO₂. Dies führt zu einem Baumaterial mit einem negativen CO₂-Fußabdruck, das perfekt zum wachsenden Fokus auf die Umweltleistung im Bausektor passt.

Ein klassisches System, aber ein innovatives Material.

Füllsteine und Balken sind seit Jahren eine zuverlässige Wahl für Renovierungsprojekte. Dieses System besteht aus vorgefertigten Balken mit dazwischenliegenden Füllsteinen. Die gesamte Konstruktion wird anschließend mit einer Druckschicht abgedeckt, wodurch eine monolithische Deckenstruktur entsteht. Mit Spannweiten von bis zu etwa sieben Metern ist diese Lösung für alle Arten von Renovierungsprojekten sehr gefragt.

Mit Carbstone bieten Prefer und Masterbloc eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Füllsteinen. Dieses Baumaterial besteht aus Stahlschlacke, einem mineralischen Reststoff aus der Stahlindustrie, und enthält keinen Zement. Dies bietet einen erheblichen Umweltvorteil, da die Zementproduktion für CO₂-Emissionen verantwortlich ist.

„Architekten müssen ihren Entwurfsansatz nicht anpassen, um eine erhebliche Reduzierung der CO₂-Emissionen zu erreichen“, erklärt David Nigot, Sales & Methods Director bei Prefer. „Dies macht den Umstieg auf nachhaltigere Baumaterialien besonders einfach.“

CO₂ als Bindemittel

Wo herkömmlicher Beton Zement als Bindemittel verwendet, setzt Carbstone auf einen anderen Ansatz. Während des Produktionsprozesses wird CO₂ vom Material aufgenommen, wodurch es aushärtet. Das CO₂ reagiert mit dem Kalzium in den Rohstoffen und bildet Kalziumkarbonat, eine Verbindung, die natürlichem Kalkstein ähnelt.

Diese von Orbix entwickelte und patentierte Technologie ist das Ergebnis jahrelanger Forschung und Entwicklung. Masterbloc und Prefer haben die Technologie anschließend im industriellen Maßstab angewendet und auf dieser Innovation basierende Produkte hergestellt und vermarktet.

„Normalerweise wird CO₂ als Problem betrachtet, aber wir nutzen es als Rohstoff“, erklärt Bjorn Gubbels, CEO von Masterbloc. „Wir entfernen den Zement aus der Zusammensetzung des Blocks und verwenden CO₂ als Bindemittel. Durch Karbonatisierung erhalten wir ein solides Baumaterial ohne Zement oder natürliche Rohstoffe. Zudem neutralisieren we dieses CO₂ dauerhaft im Block selbst, wodurch das Material eine grundlegend andere Umweltauswirkung hat als herkömmliche Betonprodukte.“

Negativer CO₂-Fußabdruck

Ein weiteres bemerkenswertes Merkmal: Der Karbonatisierungsprozess stoppt nicht, wenn der Block das Werk verlässt. „Unsere Produkte absorbieren weiterhin CO₂ aus der Atmosphäre und werden dadurch unendlich stark. Jedes absorbierte CO₂-Molekül trägt zur Festigkeit des Materials bei. Während herkömmlicher Beton nach einigen Jahrzehnten an Festigkeit verliert, wird der Carbstone-Block dank natürlicher Karbonatisierung im Laufe der Zeit sogar noch stärker“, erklärt Bjorn.

Dank eines Online-Rechners können Architekten und Baufachleute über Masterbloc den CO₂-Fußabdruck eines Carbstone-Bodens mit dem eines herkömmlichen Betonbodens vergleichen. Ein 100 m² großer Boden aus Carbstone-Balken und -Füllsteinen speichert dauerhaft mehr als 800 kg CO₂. Dies ermöglicht einen direkten Einblick in die Auswirkungen, die die Materialwahl auf die gesamte Umweltbelastung eines Renovierungsprojekts haben kann.

Gleiche Installation, weniger Auswirkungen

Neben den Umweltvorteilen zeichnet sich Carbstone auch durch seine einfache Installation aus. Carbstone-Füllsteine sind Teil desselben Balken-Füllstein-Systems, das Bauunternehmer seit Jahren kennen und nutzen. „Wir nehmen bestehende Produkte und machen sie nachhaltiger. Wir möchten nicht, dass Bauarbeiter ein komplett neues System erlernen müssen. Sie arbeiten wie bisher, bauen aber nachhaltiger“, erklärt David.

Neben der Lieferung der Komponenten bieten Masterbloc und Prefer auch Unterstützung bei der Installation an. Für jedes Projekt wird ein Verlegeplan erstellt, in dem die korrekte Platzierung der Balken und Füllsteine genau angegeben ist. Die erforderlichen technischen Studien und die logistische Unterstützung können ebenfalls übernommen werden.

„Die Modularität des Systems bietet echte Flexibilität auf der Baustelle“, betont Bjorn. „Selbst wenn die Realität vor Ort von den Plänen abweicht, können die Balken und Füllsteine einfach verschoben werden. Das System ist leicht anpassbar.“

Zirkuläres Produkt, ohne Qualitätsverlust

Carbstone unterscheidet sich auch durch seine Zirkularität von herkömmlichen Betonprodukten. Dieses Material wird nicht nur aus Schlacke hergestellt, einem ehemals ungenutzten Nebenprodukt der Stahlindustrie, sondern es enthält auch biogenes CO₂, das wiederum aus Produktionsabfällen zurückgewonnen wird.

Am Ende ihrer Lebensdauer können Carbstone-Bauelemente zerkleinert und als Rohstoff für die Herstellung neuer Produkte auf Basis derselben Technologie wiederverwendet werden. Durch die erneute Zugabe von CO₂ während des Produktionsprozesses kann eine neue Generation von Baumaterialien ohne Qualitätsverlust geschaffen werden. Dies führt zu einem unendlichen Kreislauf, da das Endprodukt zu 100 % aus zirkulären Materialien besteht.

Ein zukunftsorientierter Ansatz

Besonders für Architekten wird die Umweltauswirkung von Materialien immer wichtiger. Laut Bjorn knüpft Carbstone direkt an die Einführung des künftigen M-Level-Indikators an, der derzeit in Flandern entwickelt wird.

„Das M-Level-Tool kombiniert die Analyse von Energieleistung, CO₂-Emissionen und Zirkularität in einem einzigen Bewertungsrahmen“, erklärt er. „Carbstone wurde entwickelt, um den CO₂-Fußabdruck zu verkleinen. Unsere Produkte können daher dazu beitragen, die künftigen Anforderungen des M-Level-Indikators zu erfüllen und die gesamte Umweltleistung eines Gebäudes zu verbessern, ohne dass grundlegende Änderungen am Entwurf oder an der Konstruktion erforderlich sind.“

Laut Hersteller werden Gebäude, die nicht angemessen auf künftige Anforderungen an CO₂-Emissionen und Zirkularität vorbereitet sind, langfristig auch an Wert verlieren, genau wie Gebäude mit schlechter Energieleistung auf dem Immobilienmarkt weniger attraktiv sind.

Eine Renovierungslösung mit Blick auf 2030

Die Kombination aus Carbstone-Technologie und dem klassischen Balken-Füllstein-System zeigt, dass Innovation nicht zwangsläufig eine Revolution des Bausystems bedeuten muss. Durch die Kombination einer bewährten Renovierungslösung mit einem zu 100 % zirkulären Produkt mit negativem CO₂-Fußabdruck entsteht ein hochwertiges System, das von den Akteuren der Branche leichter akzeptiert wird und sowohl die aktuellen Klimaherausforderungen als auch künftige Nachhaltigkeitsanforderungen adressiert.

„Neunzig Prozent der Menschen auf der Baustelle merken gar nicht, dass sie mit einem nachhaltigeren Produkt arbeiten“, resümiert Bjorn. „Das ist genau das Ziel: die gleiche Arbeitsweise, die gleiche Leistung, aber mit einem deutlich größeren Umweltvorteil.“ Kurz gesagt bietet Carbstone eine Lösung, die mit herkömmlichem Beton vergleichbar, aber nachhaltiger ist.

Quelle: Architectura, 2. Juli 2026

Nahaufnahme von Beton-Renovierungsböden mit Stufen mit strukturierter Oberfläche und weiß gestrichenen Kanten, die in einem diagonalen Muster angeordnet sind.
Eine Nahaufnahme eines Beton-Hohlblocksteins, der auf einem Stapel Wellblech, Renovierungsböden und Füllsteinen auf einem Baustofflager im Freien liegt.